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..:: Bandmaschinen - Forum ::.. » Tests und Vorstellungen » Topmodell 1957: Grundig TK830 » Threadansicht
 
Hallo, Freunde der Tonband-Dinosaurier. Für grössere Bilder drauf klickern !!!

Das Gerät hat 2 Laufrichtungen und 2 Geschwindigkeiten (9,5 und 19), der Waschmaschinen-Papstmotor wird hierzu mit viel Relaisgeklapper elektrisch umgeschaltet, eine wuchtige Angelegenheit. Zum Vor- und Rückspulen wird
per Elektromagnet unter den Spulentellern eine Kupplungsscheibe zugeschaltet.
Interessant und sehr empfindlich die Sperrkupplungen, zuständig für die Kraftübertragung je nach Laufrichtung. Dünne Schlingfedern sind um die innere Achse gewickelt, die daraufsitzenden Riemenscheiben sind nur in einer Richtung kraftschlüssig. Werden die Simmerit-Distanzscheiben brüchig, sucht sich das Federchen einen Weg ins Freie und aus ist's mit der Kraftübertragung. Mein Tipp: Wer ein Grundig-Gerät mit solchen Sperrkupplungen erwirbt, der überprüfe diese unbedingt vor dem ersten Einschalten! Ist die Feder erst vom bärenstarken Papstmotor herausgewürgt worden und gebrochen, kann man an der Reparatur verzweifeln. Besagter Motor dient mit seiner Achse auch als Capstanwelle, der Gleichlauf wurde wohl durch seine schiere Masse erzwungen. Mitdrehende Schaumstoffröllchen drücken das Band an die steckbaren Halbspurtonköpfe. Der rechte Drehknopf dient als Netzschalter und Lautstärkeregler, darunter ein kleiner früher Equalizer, auch in Grundigradios als "Wunschklangregister" zu finden. Links der Knopf für die Aussteuerung, zu sehen mittels EM71. Darunter der Eingangswähler für Radio, Mikro und Platte. Dank der 6 Watt-Gegentaktendstufe (2x EL 95), der 3 Lautsprecher und des voluminösen Gehäuses ist dem TK 830 ein imposanter Konzertklang zu entlocken. Damals haben sich wahrscheinlich zigarrenrauchende, dicke Chefs Wagner-Opern damit reingezogen, für Normalbürger war es wohl 1957 unerschwinglich. Mir kommt ein Vergleich in den Sinn, war das TK 35 sozusagen Grundigs Opel Rekord, muss das TK 830 wohl Grundigs Opel Kapitän gewesen sein .

So, bis zur Generalüberholung erstmal ab auf den Dachboden damit!
 
Taubenblau und Messingschmuck war bei Grundig angesagt
chassis
Unter der Haube findet sich solide Werkmannsarbeit mit goldlackiertem Druckgussrahmen:
Das Chassis lässt sich mit 6 Schrauben leicht ausbauen, kompakte und schwere Sache!
Ansicht von hinten mit den Anschlüssen. Eher Grundig-untypisch die dicken Steckleisten, Ober- und Unterteil des Chassis lassen sich so einfacher voneinader trennen (dazu habe ich jetzt aber keine Lust):
Röhrenschau seitlich
Na bitte, es geht doch! Grundig konnte auch übersichtlich bauen. Alles gut zugänglich. Zu sehen sind einige provisorisch eingelötete neue Kondensatoren.
Die Fliehkraftgewichte am Motor betätigen dessen Anlaufrelais.
Hier noch die Tonkopfsektion. Dreifachspielbänder würde ich allerdings nicht auflegen, die verspeist der Apparat zum Frühstück.
Ansonsten funktioniert es gut.
Und wieder ab ins Gehäuse mit dem Chassis. Fast ein kleiner Konzertschrank, das
Gehäuse:

Gruß
Peter S.
Dieser Beitrag wurde am 07.09.2009 um 21:43 Uhr von PSMS editiert


.
001
07.09.2009, 15:56 Uhr
Frank
(Id=38)
.
Avatar von Frank

 

Es funktioniert gut, trotz der WIMA- Bonbonkondensatoren?

Ich hatte mal so ein Gerät -kann auch ein TK820 gewesen sein- jedenfalls hatte es Zweirichtungsbetrieb und drei Bandgeschwindigkeiten. Da mußte ich die WIMA- Kur machen. Später ging es dann leider wegen gebrochener Schlingfedern in die ewigen Jagdgründe. Diese Federn waren Anfang der 1970er Jahre nicht mehr zu bekommen, sehr schade.

Aber solange es lief, hatte es einen tollen Klang.
--
Frank
altius, fortius TINNITUS
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002
07.09.2009, 16:27 Uhr
PSMS
(Id=3738)

Avatar von PSMS

 
Mit "funktioniert gut" meinte ich eher die Bandführung, trotz deren Einfachheit. Mich wundert es allerdings selbst, dass das Gerät trotz der Wimakondensatoren noch einigermaßen klingt, nur bei Aufnahme zerrt es. Akut defekt war der Teerkondensator, er kochte im eigenen Saft. Die älteren viereckigen braunen TK 819, 820 usw. hatten das gleiche Chassis, so ein Gerät wird es wohl gewesen sein. Die kleineren TK 9, 10, 16 usw. hatten auch die Schlingfederkupplungen, es gab auch Versionen mit "Sperrklinken" ohne Schlingfedern. Leider sehr empfindlich alles. Es musste ja auf Deubel komm raus immer ein Einmotorenlaufwerk sein bei Grundig damals, man hätte sich viel Gefrickel mit Riemen, Zwischenrollen und Rutschkupplungen ersparen können.

Peter S.

Dieser Beitrag wurde am 07.09.2009 um 16:28 Uhr von PSMS editiert.
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003
07.09.2009, 16:49 Uhr
Frank
(Id=38)
.
Avatar von Frank

 

 
Zitat:
PSMS postete
... Leider sehr empfindlich alles. Es musste ja auf Deubel komm raus immer ein Einmotorenlaufwerk sein bei Grundig damals, man hätte sich viel Gefrickel mit Riemen, Zwischenrollen und Rutschkupplungen ersparen können.

Peter S.

J
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004
07.09.2009, 19:15 Uhr
makaramann
(Id=3)
.
Avatar von makaramann

 
Peter,

schöne Bilder, fröhlicher (etwas zu kurzer) Text. Das macht Spass und ist recht interessant.
Grundig einmal anders.
Aufgefallen ist mir, neben der ungewohnten Ordnung, dass die Schaumstoffröllchen nur in Höhe der Magnete auf die Köpfe drücken. So sehr scheint man der Haerte der Köpfe doch nicht vertraut zu haben.
--
Viele Grüsse aus Istanbul

Semih

www.makarateyp.com

u. A.: 3 x N4450, N4520, N4422, N4506, 3 x N4504, Aristona SR 4299, N7150, N4407, N4308, Pro12, N4510
A700, B77, A77, TD20 HS 1/2 Spur, TD20 1/4 Spur, TG1000, GX620, GX297D-SS, M3002, M500, TK248, TK 146, TK147, TK 857, ilet 110
TS1000
Kommt bald: TS925
Die leider Fehlenden: SG630/631, MFB Boxen
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005
07.09.2009, 22:31 Uhr
timo
(Id=25)
.
Avatar von timo

 

 
Zitat:
Frank postete
Ja, bei der AEG hat man schon vor dem Krieg erkannt, dass ein Dreimotorenlaufwerk das einzig Wahre ist. Daran hat sich über die gesamte Bauzeit der Magnetophone nichts geändert.

Bei den Studio-Magnetophonen, ja. Im Heimbereich hat AEG/Telefunken das Dreimotorenprinzip noch konsequenter gemieden als Grundig (die ja immerhin zum Schluss zwei dreimotorige Geräte gebaut haben) und das auch noch mit dem Verweis auf den angeblich besseren Gleichlauf bei kleinen Geschwindigkeiten als Qualitätsmerkmal verteidigt. Wie überzeugt sie selbst davon waren, zeigt der Umstand, daß sie ein paar Jahre später ein dreimotoriges Kassettendeck gebaut haben, das sogar wahlweise mit 2,38 cm/s lief.

Zu der Grundig: Eigentlich gar nicht meine Sorte Gerät, gefällt mir aber auf ihre Art trotzdem sehr gut und interessant. Mit einer Einschränkung: War der Zeitgeschmack in Sachen Farbgebung damals wirklich so verirrt?
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006
07.09.2009, 23:04 Uhr
Huubat
(Id=3357)



 
Hab ich vor ein paar Jahren auch noch so empfunden.

Aber mittlerweile finde ich die Farb- als auch die Formgebung aus dieser Epoche einfach klasse.
Es ist ein stimmiges Design, das sich auch bei den zeitgenössischen Philips- oder Perpetuum-Ebner-Drehern wiederfindet.
Ich seh dann förmlich ein Isabella Coupe mit Blumenvase am Armaturenbrett vor mir.


Danke auch an Peter für den Bericht.
--
Bert

www.magnetofon.de