Ganesha : Gott des Anfangs und des Gelingens
Festival Ganesha Chaturthi, Mumbai, Indien
Der wohl meist geliebte Gott im hinduistischen Pantheon ist Ganesha, der Gott mit dem Elefantenkopf, der von Hindus, Buddhisten und Jaina gleichermaßen verehrt wird. Er wird als Sohn von Shiva und Parvati gesehen.

Über Ganeshas Geburt und die Entstehung seines Elefantenkopfes gibt es verschiedene Versionen. Eine beliebte Geschichte berichtet, daß Parvati längere Zeit allein war, weil ihr Mann Shiva sich in Meditation zurückgezogen hatte. Sie beschloß, sich selbst einen Sohn zu machen und formte ihn, bevor sie ihr tägliches Bad nahm, aus dem Schorf ihres Körpers mit Salben, Ölen und Gangeswasser, und stellte ihn als Türwächter vor den Baderaum. Damals hatte Ganesha einen normalen Menschenkopf. Zum Kopf eines Elefanten kam er durch den Zorn des Shiva. Als er diesem den Weg zu seiner Gattin verstellte, weil sie gerade badete, und er Shiva ja nicht kannte, sei der große Gott so in Zorn geraten, daß er dem Ganesha mit dem Schwert den Kopf abschlug. Parvati war. außer sich und flehte Shiva an, Ganesha wieder zum Leben zu erwecken. Shiva versprach darauf, ihn mit dem Kopf des ersten vorbeikommenden Lebewesens auszutauschen und ins Dasein zurückzurufen. Das erste Wesen war ein Elefant. Durch die Wiederbelebung ist Ganesha auch Shivas Sohn geworden und wird von ihm anerkannt. Er ernannte ihn nicht nur zum obersten Heerführer seiner ,,Ganas" (Armeen), sondern sagte auch allen anwesenden Göttern, dass Ganesha immer zuerst angebetet werden würde, die anderen Götter erst nach ihm.

Ganesha wird dickbäuchig, mit dem Körper eines Mannes, aber den Beinen eines Kindes, dargestellt. Er hat einen abgebrochenen Stosszahn und trägt um seinen Bauch eine Schlange als heiligen Faden. Festival Ganesha Chaturthi, Mumbai, Indien

Ganesha hat vier Arme. Diese vier Arme repräsentieren die vier Aspekte des feinstofflichen Körpers: Geist, Intellekt, Ego und Bewußtsein. In einer Hand hält er eine Axt und in der anderen ein Fangseil. Die Axt symbolisiert die Zerstörung aller Wünsche und Bindungen. Mit dem Seil zieht Ganesha den Sucher aus seinen weltlichen Problemen und verbindet ihn mit ewiger Glückseligkeit. In der dritten Hand hält Ganesha eine Süßigkeit, die die Belohnung spiritueller Suche darstellt. In der vierten Hand hält er eine Lotusblume, die das höchste Ziel der menschlichen Evolution versinnbildlicht: Erleuchtung. Künster stellen Ganesha oft die Axt und das Fangseil mit zwei seiner Hände haltend dar. Dann lassen sie eine seiner Hände eine heilige Handstellung einnehmen, die Schutz und Segen gewährt.

Ganeshas Kopf enthält kleine, durchdringende Augen, die das winzigste Detail jedweden Gegenstands untersuchen können. Diese Augen verfügen über die innere Schau, den Geist Gottes in jedem zu sehen.

Ganeshas Reittier ist eine kleine Maus. Die Maus steht für Egoismus und weltliche Wünsche, worin die Ursache für all unser Leiden liegt. So wie die Maus in Dunkelheit lebt und stiehlt, so lebt unser Bewußtsein in Unwissenheit und ist ständig beschäftigt mit materiellen Gewinnen, wodurch unser innerer Friede gestohlen wird. Ganesha beherrscht sein Reittier vollständig, d.h. er hat Egoismus und Wunschnatur überwunden. Ganesha, der auf seiner Maus reitet, steht für einen vollendeten Menschen, der seinen begrenzten Körper, Fühlen und Denken, dargestellt durch die Maus, benutzt, um die grenzenlose Wahrheit, die Ganesha symbolisiert, zu übermitteln.Körper, Fühlen und Denken sind begrenzt. Es ist ihnen nicht möglich, den unbegrenzten Atman zum Ausdruck zu bringen. Der Intellekt des Durchschnittsmenschen kann die Wahrheit nicht begreifen.

Kein Gebet, kein neues Unternehmen und keine Festlichkeit kann von Erfolg gekrönt sein, ohne vorher zu Ganesha gebetet zu haben, der einerseits Hindernisse verschwinden lässt, wenn es ihm beliebt, der aber andererseits ebenso Probleme schaffen kann, falls man ihn bei einem wichtigen Anlass vergisst. Auch bei Hochzeiten wird er angerufen, denn die Ehe ist ein neuer Anfang und soll von Glück gesegnet sein. Auf den meisten Einladungen zu einer Hindu-Hochzeit ist als kleines Emblem Ganesha zu sehen. Gelegentlich ist der Stachelstock durch eine Axt, die Schlinge durch einen Lotos ersetzt, überhaupt sind ikonographische Varianten häufig. An seinem Elefantenkopf ist der Gott in jedem Falle zu erkennen, so daß seine Attribute für die Identifizierung weniger wichtig sind.

Im August/September jeden Jahres feiert man dort das Ganesha-Fest, bei dem große, aus Lehm geformte Ganesha-Idole mit Kokosnüssen, Bananen und Süßigkeiten symbolisch gespeist und mit Musik verehrt werden. Zu Ende des Festes trägt man sie feierlich zum Meer oder einem Fluß und versenkt sie. Das gleiche geschieht mit den kleinen Ganesha-Figuren, die das Jahr über im Hause gestanden haben, meist auf einem Sockel über dem Türbalken oder in der Zimmerecke. Die aus der Erde gekommene Gestalt kehrt in den Naturhaushalt zurück

Ganeshas Frauen sind Riddhi (Erfolg) und Siddhi (Wohlstand) .