Geheimnisvolles Kölner Stadtschloss für 8,5 Millionen Euro       Erstellt 30.07.201

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Das Weißhaus in Köln - eines der wenigen Schlösser der Stadt.  Foto: von Poll Immobilien

Das Weißhaus in Köln-Sülz sucht einen neuen Schlossherren. Die Eigentümerfamilie trennt sich von einer Sehenswürdigkeit, die in den vergangenen Jahrzehnten keiner sehen durfte. Ein Blick in die geheimnisvolle Geschichte.  Von Helmut Frangenberg

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Sülz. 

Es ist eine der außergewöhnlichsten Immobilien Kölns, mit langer Geschichte, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht: Ein Wasserschloss mit einer neugotischen Kapelle in einem 21.000 Quadratmeter großen Park – und das mitten in der Stadt.

Die meisten Kölner kennen diesen historischen Ort kaum. Verrammelt hinter Zäunen und einer hohen Mauer liegt an der Luxemburger Straße im Stadtteil Sülz das Schloss Weißhaus. Der Zutritt ist bislang verboten, doch jetzt öffnen die Erben des 2010 verstorbenen Steinzeug-Fabrikanten und Bauunternehmers Heinrich Wolf zwangsweise die Pforten: Das Schloss wird verkauft.

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8,5 Millionen Euro Kaufpreis

Eine Frankfurter Immobilienfirma bewirbt sein Verkaufsangebot mit der Überschrift „Für den großen Auftritt“. Das Schloss eigne sich als „repräsentativer Sitz für ein Unternehmen, eine Stiftung oder eine kulturelle Institution“, aber auch „hervorragend als einzigartiges Wohnanwesen“. Wer Interesse hat, muss ein wenig Geld mitbringen. Die Makler rufen 8,5 Millionen Euro als Kaufpreis auf.

Über den baulichen Zustand der historischen Gebäude ist wenig bekannt. Die Familie von Heinrich Wolf soll vor allem einen Bungalow neben dem Schloss bewohnt haben. Seit Jahren haben Anwohner niemanden mehr hinein oder hinaus gehen sehen. Das denkmalgeschützte Haupthaus bietet rund 400 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf neun Zimmer, dazu drei Bäder und eine große Küche. Im Erdgeschoss befindet sich eine große Empfangshalle, in der ersten Etage ein stuckverzierter Saal.

Was man mit Mühe von der Luxemburger Straße aus sehen kann, ist nur die schmale Seitenfront des Gebäudes, das man nach einer 80 Meter langen Auffahrt über zwei Bogenbrücken über den Wassergraben erreicht. Der daneben stehende Bungalow mit einer Schwimmhalle bietet weitere 395 Quadratmeter Wohnfläche. Besonders ansprechend wirkt der flache Klotz neben dem feinen Ensemble nicht.

Das mag erklären, warum ihn die Immobilienfirma in ihrem Verkaufsangebot nicht zeigt und nur von einem „eingeschossigen Nebengebäude“ spricht, das man „zu vielseitigen Zwecken“ umbauen kann.

 

Erstellt 30.07.2015

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Hohe Mauern machen es unmöglich, das Weißhaus so zu sehen: Wasser umschließt Herrenhaus und Kapelle  Foto: von Poll Immobilien

Ein unzugänglicher Ort

Es gibt in Köln wohl keine Sehenswürdigkeit, die bislang so wenige Menschen sehen konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg öffnete die Eigentümer-Familie an Wochenenden Park und Kirche noch für die Nachbarschaft, im Winter konnte man Schlittschuh laufen. Doch dann wurde das Anwesen immer mehr zu einem unzugänglichen, geheimnisvollen Ort.

Heinrich Wolf lehnte alle Versuche von Nachbarn und Interessierten ab, sein Anwesen wenigstens ab und zu zu öffnen, heißt es. So können sich nur einige ältere Sülzer an die prachtvolle Anlage aus eigenem Erleben erinnern. Im Innern der 1857 eingeweihten und nach Plänen des Dombaumeisters Vincenz Statz gebauten Kapelle sollen Kunstwerke zu sehen sein. Der Musiker und Karnevalsstar Hans Süper, der gleich gegenüber wohnte, erinnert sich, wie er über die Mauern kletterte, um im Wassergraben zu angeln.

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Unbekannter Schatz: Das Innere der Schlosskapelle  Foto: Poll Immobilien

Präsent war Heinrich Wolf vor allem als Eigentümer der vielen Wohnhäuser in der unmittelbaren Umgebung. Auch das Weißhaus-Kino gehörte zu seinen Mietern. Zum Wohnungsbau kam er nach dem Zweiten Weltkrieg, als es zu wenig erschwingliche Unterkünfte für die Arbeiter des großen Frechener Familienbetriebs gab. Er gründete das Unternehmen „Wolf’sche Wohnungsbau“. Gebaut wurde in Köln und Frechen, wo er 1991 mit der Ehrenbürgerschaft geehrt wurde. Nach seinem Tod führen zwei Neffen die Firmen der Wolf-Gruppe. Die Häuser in der Weißhaus-Nachbarschaft sind mittlerweile wohl fast alle verkauft. In Sülz wird über Erbstreitigkeiten spekuliert, die nun zur Trennung vom Schloss geführt haben könnten.
Der Name „Weißhaus“ findet sich erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1378, als Erbpächter hier Land von der Benediktinerabtei St.
Pantaleon übernahmen. Mehrere Zerstörungen und Wiederaufbaumaßnahmen sind überliefert. 1658 wurde das „Weißhaus“ bei einer Überschwemmung des Duffesbachs zerstört, der später den Wassergraben speiste. Nach dem Einmarsch Napoleons ging das Schloss in staatlichen Besitz über. 1849 erwarb es der Kaufmann Johann Adam Jansen.

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AUTOR

Helmut Frangenberg ist Redakteur in der Lokalredaktion.

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